Sekte “Zwölf Stämme” Prügelnde Lehrerin bleibt weiter im Gefängnis

Source:Der Spiegel

Sie schlug Kinder und hielt das für gottesfürchtige Erziehung: Eine prügelnde Lehrerin der Sekte “Zwölf Stämme” bleibt weiter in Haft. Das entschied das Oberlandesgericht München.

Die Angeklagte Marina P. bei der Verhandlung im Sommer 2016 vor dem Landgericht Augsburg (mit ihrem Anwalt Alexander Knief)

Die Angeklagte Marina P. bei der Verhandlung im Sommer 2016 vor dem Landgericht Augsburg (mit ihrem Anwalt Alexander Knief)

Wer nicht spurte, Fehler machte oder auch nur stotterte, bekam Schläge mit der Rute: Eine prügelnde Lehrerin der Sekte “Zwölf Stämme” bleibt im Gefängnis und muss ihre Haftstrafe absitzen. Ihre Verurteilung zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung ist rechtskräftig. Die Revision der Frau gegen das Urteil aus Augsburg wurde vom Oberlandesgericht München als unbegründet verworfen. Das teilte das Landgericht Augsburg am Freitag mit.

Die Frau hatte vor Gericht zugegeben, dass sie als Lehrerin der sekteneigenen Schule ihre Schüler wiederholt mit Ruten geschlagen hatte. Sie war deshalb im Juni unter anderem der gefährlichen Körperverletzung und der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gesprochen worden.

Bei der Beweiserhebung waren schreckliche Zustände in der Schule der Sekte ans Licht gekommen: Demnach wurde ein Kind mitunter bis zu achtmal am Tag geprügelt. Ein Junge habe bis zu 30 Schläge bekommen, weil er gestottert oder falsch vorgelesen habe. Die damals 56-Jährige war unmittelbar nach dem Augsburger Urteil im Juni festgenommen und in eine Justizvollzugsanstalt gebracht worden.

Vorwürfe: Immer wieder Kinder misshandelt

Im September 2013 hatte die Polizei wegen der Prügelvorwürfe rund 40 Kinder aus den Gemeinschaften der Sekte im schwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen und im mittelfränkischen Wörnitz geholt und in Heimen sowie Pflegefamilien untergebracht.

Im Laufe der Jahre ist die Sekte immer wieder mit deutschen Behörden und Gesetzen in Konflikt geraten. Dabei ging es um Vorwürfe der systematischen Kindesmisshandlung; außerdem weigerten sich die Sektenmitglieder immer wieder, ihre Kinder in öffentliche Schulen zu schicken.

Vor einiger Zeit hatte die Gemeinschaft deshalb angekündigt, Deutschland zu verlassen und sich in Tschechien und anderen europäischen Nachbarländern niederzulassen.

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